
Written by Anneliese Tonn-Pollex Wednesday, 11 February 2009 09:21
Schluss mit Authentizität ??? -
Von der Schwierigkeit, dieses Wort leicht und flüssig über die Lippen kommen zu lassen einmal abgesehen – warum sollte man auf Authentizität verzichten, ja warum sollte es in der Führungsrolle sogar kontraproduktiv sein??
In Heft 129 von Manager Seminare ist zu lesen, dass Authentizität ein Irrglaube sei und Echtsein erfolglos mache.
Authentizität aus dem Griechischen übersetzt – so kann man es im Lexikon nachlesen – heißt nichts anderes als Glaubwürdigkeit, Echtheit, Zuverlässigkeit.
Die Grundfrage, die zunächst zu klären wäre, ist, wie genau Authentizität in diesem Zusammenhang definiert wird. In dem Artikel ist zu lesen, Authentizität stünde im Widerspruch zur Rollenklarheit. Eine authentische Führungskraft wird als eine Person beschrieben, die ihre Gefühle einfach auslebt, die ihren Stimmungen - einfach so wie es gerade kommt – nachgibt und den Mitarbeitern zumutet, damit umzugehen.
Jeder von uns, der sich in verschiedenen Kontexten aufhält, nimmt unterschiedliche Rollen ein. Das geht von der Mutter-/Vaterrolle über die Rolle des Mannschaftsmitgliedes im Sport, des Elternvertreters in der Schule der Kinder, des Seminarteilnehmers in Weiterbildungen bis hin zu eben der Rolle des Vorgesetzten, dem Bereichs- oder Abteilungsleiter, dem Geschäftsführer. In jeder dieser Rollen brauchen wir eine Rollenkompetenz und eine Kontextkompetenz.
Jede Rolle erfordert ein bestimmtes Spektrum an Fähigkeiten und Verhaltensmöglichkeiten, die wir erwerben, um die jeweilige Rolle kompetent auszufüllen – ähnlich wie ein Schauspieler, der sich für sein Repertoire an unterschiedlichen Rollen die entsprechenden Techniken erarbeitet. Um diese Rollen an konkreten Orten und Situationen gut spielen zu können, brauchen wir zudem Kenntnisse über diese Situationen und über die Besonderheiten des Umfeldes – oder um die Theatermetapher noch einmal zu benutzen: Jeder Schauspieler braucht Kenntnisse über die Stücke, in denen er spielt – über die Gattung (Lustspiel oder griechische Tragödie), über die Inszenierung, über den Aufführungsort (die Hauptbühne ist etwas anderes als die kleine Bühne im Hinterhaus).
Rollenkompetenz und Kontextkompetenz bedeuten also, dass wir lernen, bestimmte Fähigkeiten für angemessene Verhaltensweisen einzusetzen. Ein Vorstand, der – wie in dem Artikel beschrieben – sich plötzlich aus einer Laune heraus – in operative Details einmischt, ist aus meiner Sicht nicht authentisch sondern hat Schwierigkeiten mit oder Defizite in der Kontextkompetenz. Authentizität hat auch nichts mit dem Ausleben temporärer Launen zu tun, sondern eine Führungskraft, die sich derartig verhält, hat aus meiner Sicht Defizite in der Rollenkompetenz.
Authentizität hat etwas damit zu tun, dass in jeder Rolle immer die Person „durchtönt“. Ob jemand extravertiert oder introvertiert ist z.B. wird sich in dem Verhalten (hoffentlich) zeigen. Antrainierte Extravertiertheit – wie es z.B. ab und an in Führungstrainings gelehrt wird (man muss doch zeigen, dass man weiß wo es lang geht!!) ist ganz sicherlich überhaupt nicht authentisch und einfach armselig in der Wirkung. Eine Führungskraft, die ihre Energie von innen bezieht und nicht die Menschen im Außen dazu braucht wird gewiss nicht glaubwürdiger, wenn sie – um der Rolle willen – das große Kino inszeniert. Ob ich ein sachlich orientierter oder ein gefühlsorientierter Mensch bin, ob ich eher detailliert und genau Informationen aufnehme oder die großen Zusammenhänge wahrnehme – was nützt es mir und meinen Mitarbeitern, wenn ich das durch künstliches Rollenverhalten vertusche?!
Authentisch führen heißt für mich, die eigene Persönlichkeit z.B. in die Rolle der Führungskraft, natürlich mit einfließen zu lassen – (wenn ich mich nicht künstlich verstelle passiert das sowieso) Es kann nicht im Sinne des Unternehmens und der Mitarbeiter sein, ja nicht durchblicken zu lassen wer oder wofür man eigentlich ist. Die Mitarbeiter wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben – zeigen Sie es ihnen in Ihrer Rolle als Führungskraft angemessen und authentisch.
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